Bootstour Mecklenburg

17. August 2002     0 Kommentare

Prolog

Mecklenburg - Karte
OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA]
Unseren diesjährigen Sommerurlaub gestalteten wir zweigeteilt, beteiligt waren Anett, Carolin, Diana, Frank, Jens, Marco, Matthias, Ronny und Simon. Die erste Woche wollten wir auf den Mecklenburger Seen verbringen, anschließend stand noch eine Woche Ostsee an. Ein paar Tage vor Antritt der Tour stiegen die Pegel der Elbe, Mulde und weiterer Flüsse und Bäche auf ein nie gekanntes Niveau und verursachten eine Jahrhunderflut. Dass sich dadurch auch unsere Anreise gefährdete, wurde uns erst später so richtig klar. Die nachfolgend beschriebene Strecke kann in jeder GPX-fähigen Kartenanwendung geladen und detailliert nachvollzogen werden.

Sonnabend, 17.08.: Anfahrt nach Wesenberg/Plätlinsee [7km]

Mecklenburg - SchwaanhavelUnd wieder mal reisen wir mit dem Wochenend-Ticket, wofür allerdings mittlerweile 28 € zu berappen sind. Entsprechend früh starten wir kurz nach 6 Uhr in Jena nach Halle. Dort steigen wir in die letzte Regionalbahn nach Jüterbog ein, welche die Mulde- und Elbebrücken passieren darf. Wir sehen im weiten Umfeld der Brücken nur Wasser und sind froh, als das östliche Ufer erreicht ist. Über Berlin und Neustreliz kommen wir schließlich 14 Uhr in Wesenberg an. Vom Bahnhof bis zur Ausleihstation Kanumühle sind es nur zwei Kilometer. Doch mit den schweren Rucksäcken und einer Verpflegungstasche schleppen wir uns unter der heißen Sonne eher dahin. So bleibt nur, in Abständen eine Pause einzulegen und das Kreuz zu entlasten. Doch nach einer Stunde haben wir es geschafft, können die reservierten Boote in Empfang nehmen und unsere Sachen in die wasserdichten Tonnen umpacken. Es ist zwar schon 16 Uhr, aber trotzdem wollen wir heute noch ein Stück fahren. Zuerst geht es den Kanal havelabwärts Richtung Ahrensberg, nach der Schleuse biegen wir in die Schwaanhavel und versuchen uns zum Plätlinsee durchzuschlagen. Im Gegensatz zur Mecklenburg-Tour 1995 haben wir heute mehr Erfolg werden mit einem drei Kilometer langen Bachstück durch reinste Idylle und Natur belohnt, auch wenn die Steuerung durch enge Kurven und vorbei an umgestürzten Bäumen nicht ganz so einfach ist. Als wir im Plätlinsee ankommen, macht sich Erschöpfung breit und wir suchen eine Biwakmöglichkeit nach der gesperrten Schutzzone. Wir finden einen schattigen Platz unter Bäumen und packen aus. Zum reichlichen Abendbrot gibt’s einen Schluck Wein, wir lassen es uns gut gehen.

Sonntag, 18.08.: Vom Plätlinsee zum Rätzsee [11km]

Mecklenburg - PlätlinseeGut erholt wache ich gegen 8 Uhr auf, befinde die Zeit aber für noch zu früh und krieche erst eine Stunde später aus dem Zelt. Als erstes springen wir ins Wasser und frühstücken dann in aller Ruhe unter einem strahlend blauen Himmel. Nachdem alles zusammengepackt ist, starten wir. Doch weit kommen wir nicht, bei Wustrow ist der See zu Ende und wir müssen umtragen. Je drei Kerle packen auf einer Seite des voll beladenen Kanus an und so hieven wir die Boote ca. 300 Meter über Land, während die Mädels gute Tipps geben. Nach dem vierten Kanu bemerken wir auch das Schild zur Ausleihe eines Bootswagen – zu spät! Jetzt erstmal eine Pause und zur Erfrischung ins Wasser. Der Weg zum Klenzsee führt uns mitten durch den Wald und über einen stark verkrauteten See. Gleich nach Einfahrt in den Gobenowsee halten wir nach der Straßenbrücke auf der südlichen Seite und essen Mittag. Gut gestärkt paddeln wir an Seewalde vorbei ins Drosedower Bek. An dessen Ende liegenden Campingplatz halten wir kurz um frisches Wasser zu holen und natürlichen Bedürfnissen nachzugehen. Für die Übernachtung steuern wir eine vorgelagerte Stelle am Westufer des Rätzsees an, die einen wunderschönen Biwakplatz mit Sandstrand, Feuerplatz und vielen Stellplätzen bereithält. Wir lassen uns nieder und nutzen die Zeit bis zum Abend mit Feuerholzsuche und Karten spielen. Während des Abendessens kommen noch zwei weitere Gruppen, als es langsam dunkel wird, versammeln wir uns alle um’s Lagerfeuer und erzählen bei einem Becher Wein. Herrlich!

Montag, 19.08.: Vom Rätzsee nach Schwarz [13km]

Mecklenburg - Fleether MühleGegen 9 Uhr hat die Sonne das Zeltinnere bereits soweit erhitzt, dass wir freiwillig aufstehen. Nach dem Sprung ins Wasser setze ich Wasser für den Tee auf. Mitten im Frühstück werden wir plötzlich vom Förster überrascht und dürfen pro Zelt 10 € Verwarnungsgeld abdrücken, weil wir unbefugt zelten, allerdings wären wir auf einem Zeltplatz auch nicht günstiger weggekommen. Als die Sonne ihren Zenit erreicht, sind wir endlich startklar und paddeln mit leichtem Gegenwind den Rätzsee weiter nach Süden. An der Fleether Mühle endet ein kleiner Kanal in der Sackgasse, dieses Mal holen wir uns aber doch einen Bootswagen und können so ganz bequem umsetzen. Mecklenburg - SchwarzAußerdem bietet sich gleich die Gelegenheit, ein paar Getränke zu kaufen. Nun geht es einen breiteren Kanal zum Vilzsee vor, auf dem wir endlich kräftigen Rückenwind haben. Wir rasten erstmal und stärken uns, bevor es mit Höchstgeschwindigkeit auf den Weg nach Schwarz geht. Während alle anderen in Schwarz eine Einkaufsmöglichkeit suchen, bleiben Diana und ich an den Booten, grillen in der Sonne und gehen baden. Nach der Rückkehr suchen wir uns einen Biwakplatz und versuchen, möglichst gut vor Försterblicken aufzubauen. Dann klingt der Abend ganz gemütlich mit Reis und Wein aus.

Dienstag, 20.08.: Von Schwarz nach Mirow [13km]

Mecklenburg - MirowUm nicht wieder überrascht zu werden, hatten wir gestern beschlossen, heute früher aufzustehen, was im Urlaub allerdings gar nicht so einfach ist. Gleich nachdem uns Frank 8 Uhr geweckt hat, werden die Zelte abgebaut und verstaut. Nun können wir in Ruhe frühstücken. Ganz ungewohnt sind wir schon kurz vor 10 Uhr auf dem Wasser und fahren erstmal zurück über den Zethnersee in den Vilzsee. Leider hat sich seit gestern der Wind nicht gedreht und so müssen wir heute voll gegen den Wind über den See. Es geht nur schleppend voran, zumal die Kanus überaus schnell in den Wind drehen. Erleichtert biegen wir nach rund drei Kilometern in den Mössensee ab und haben nun wieder seitlichen Rückenwind. Leider befinden wir uns bis kurz vor Mirow auf der Havel-Wasserstraße und entsprechend stark ist der motorisierte Verkehr. Am frühen Nachmittag kommen wir am Zeltplatz C39 an, bauen auf, baden und gehen einkaufen. Ein zurückgelassener Grill wird am Abend seiner Verwendung zugeführt, wir lassen uns Steaks und Glut-Kartoffeln mit frischem Quark schmecken.

Mittwoch, 21.08.: Von Mirow zum Labussee [12km]

Mecklenburg - LabusseeObwohl uns heute nichts zur Eile zwingt, werden wir gegen 8 Uhr wach und springen erstmal ins Wasser. Dann gibt’s Sonnen-Frühstück, wir haben wieder einen strahlend blauen Himmel. Doch bevor alles abgewaschen, zusammengepackt und verstaut ist, vergeht die Zeit und wir kommen auch erst mittags los. Die ersten Kilometern müssen wir erneut mit Schleppern und Sportbooten auf engerem Raum verbringen, zudem kommt uns ein frischer Wind auf den Seen entgegen. Wir kreuzen den Vilzsee zur Diemitzer Schleuse, im anschließenden windgeschützten Kanal fährt es sich gleich viel leichter. Als wir so über den Labussee schippern, entdecken wir am Ufer ein schöne Nische im Schilf und beschließen, hier zu bleiben. Da es jedoch noch zu früh zum Aufbauen ist und wir vom See zu schnell einzusehen sind, spielen wir bis 18 Uhr Karten und lesen. Beim Abendbrot bemerken wir die vielen Ameisenstraßen, nach Sonnenuntergang lassen auch die Mücken nicht lange auf sich warten. Wir kriechen in die Zelte.

Donnerstag, 22.08.: Vom Labussee zum Wangnitzsee [17km]

Mecklenburg - CanowWir bleiben seit Dienstag dem frühen Aufstehen treu und bauen erst wieder die Zelte ab. Nach dem Frühstück schippern wir kurz nach 11 Uhr über den Labussee zur Schleuse in Canow. Hier stauen sich bereits die Hobby-Hausbootfahrer, doch wir finden mit den kleinen Kanus immer eine Lücke. Im Canower See angekommen lassen wir uns gemütlich in der Mittagssonne treiben, ich tauche kurz mal ab. Am Zeltplatz C18, welcher Ronny, Simon, Jens und mir von der Mecklenburg-Tour 1995 noch gut in Erinnerung ist, halten wir und zum Mittag. Weiter führt uns die Tour über den Kleinen und Großen Pälitzsee zur Schleuse in Strasen, nach der wir langsam mit der Biwaksuche beginnen. Doch selbst als wir nach Priepert auf dem Großen Priepertsee zwischen dem linken und rechten Ufer kreuzen, finden wir keine geeignete Stelle. Langsam schwindet Lust und Kraft, doch der Tip eines Fischers mobilisiert unsere Kräfte nochmal. Am linken Ufer des Wangnitzsees unterhalb einer Hochspannungsleitung bietet sich eine nette Gelegenheit zum Aufbauen. Nach der Tour haben wir uns ein wahres Festessen (Rotkraut, Klöße und Roulade) verdient, bevor alle geschafft in die Schlafsäcke fallen.

Freitag, 23.08.: Vom Wangnitzsee zum Woblitzsee [14km]

Mecklenburg - AhrensbergDie gestrige Tour steckt einigen noch in den Knochen und so lassen wir uns erst viertel 10 durch die Sonne aus dem Zelt scheuchen, die uns von einem wolkenlosen Himmel erfreut. Wie die letzten Tage auch bauen wir zuerst ab und frühstücken, bevor es kurz nach Mittag losgeht. Doch da wir es nicht mehr so weit haben, kann es ganz gemütlich losgehen. Durch einen naturbelassenen Kanal paddeln wir in den Finowsee und unterqueren die alte Holzbrücke bei Ahrensberg. Nun liegen vor uns vier Kilometer schnurgerader Kanal, ein etwas langweiliges Stück. Kurz vor der Schleuse kommen wir wieder am Abzweig zur Schwaanhavel vorbei, somit haben wir die Runde geschlossen. Auch den Abzweig zur Kanumühle passieren wir, unser heutiges Ziel ist der Campingplatz C34 im oberen Teil des Woblitzsees. Doch zuvor halten wir am Hafen Wesenberg und gehen einkaufen. Halb 7 treffen wir am Zeltplatz ein und bekommen für 6 € pro Person und Nacht einen Stellplatz direkt am Wasser. Leider ist es hier auf dem gesamten Platz deutlich unruhiger als mitten in der Natur, am Abend gibt’s sogar eine lautstarke Musical-Aufführung mit Feuerwerk.

Sonnabend, 24.08.: Rückgabe der Boote [4km]

Mecklenburg - HaveltouristHeute endet unsere Bootstour, aber die folgende Woche wollen wir noch an der Ostsee verbringen. Deswegen stört es nicht weiter als, wir 8 Uhr durch die Sonne geweckt werden, die direkt in unserem Zelteingang über den Horizont steigt. Während einige duschen gehen, wird bei anderen schon fleißig gepackt, dieses Mal alles wieder in die Rucksäcke. Halb 11 laufen Diana, Marco, Ronny, Simon und ich zum Haltepunkt Groß Quassow, Diana bleibt dort und bewacht das Gepäck. Wir stapfen zurück, ketten die Kanus aneinander und paddeln los Richtung Wesenberg zur Kanumühle. In der Zwischenzeit ist der Rest auch auf dem Weg zum Bahnhof. Wir geben die Boote ab und bezahlen 54 € pro Person und Woche. Nun wieder das Stück zum Bahnhof gelaufen, was heute ohne Gepäck sehr viel leichter geht. Wir lösen zwei Wochenendtickets und fahren kurz nach 13 Uhr mit dem Zug los. Am Haltepunkt Groß Quassow warten schon die anderen und steigen zu.

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