Radtour Saale

7. Juni 1997     0 Kommentare

Prolog

Saale - Karte
OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA]
Während unserer Zivildienstzeit nutzten Ronny und ich eine Woche unseres Urlaubs, um auf dem Saaleradweg den namengebenden Fluß von der Quelle bis zur Mündung abzufahren. Da sich die über 400 Kilometer nicht sinnvoll an einem Stück realisieren ließen, entschieden wir uns für eine mehrtägige Tour mit gepackten Satteltaschen. Die nachfolgend beschriebene Strecke kann in jeder GPX-fähigen Kartenanwendung geladen und detailliert nachvollzogen werden.

Sonnabend, 07.06.: Von der Saalequelle nach Gössitz [125km]

Saale - QuelleWieder mal in aller Frühe starten wir, heute geht es dreiviertel 5 am Paradies-Bahnhof mit dem Wochenendticket für 17,50 DM (8,70 €) los. Im Zug ist es wenigstens schön warm und so können wir noch zwei Stunden entspannen, bevor wir in Lichtenfels umsteigen. Nach einer weiteren Stunde kommen wir in Münchberg an, von hier aus radeln wir über zur 696 Meter hoch gelegenen Saalequelle. Punkt 9 Uhr erreichen wir den in Stein gefassten Ursprung der Saale und können nun ganz offiziell dem Verlauf nach Norden folgen. Anfangs noch ein kleines Bächlein, hat sich die Saale bei Schwarzenbach bereits zu einem kleinen Fluss entwickelt. Mittlerweile schenkt uns die Sonne ihre volle Aufmerksamkeit und so rollen wir durch Wiesen und Felder auf gut asphaltierten Feldwegen. In Hof verlassen wir den Radweg und suchen eine Mittagsgelegenheit im Stadtzentrum. Halb 1 fahren wir gut gestärkt weiter, der Radweg liegt jetzt abwechselnd mal direkt im Saaletal oder führt uns über die Höhe wie bei Lamitz. Saale - LamitzNach Hirschberg kreuzen wir bei Rudolphstein die A9 und rollen mit 60km/h in die Ortschaft, womit wir uns bereits wieder in Thüringen befinden. In Pottiga erwartet uns ein echter Schocker, hier geht es vom Saaleniveau bis ganz hoch auf 555 Meter, da hilft nur ein Abkühlung am Dorfbrunnen. Kurze Zeit später erreichen wir die Rückstauzone der Bleilochtalsperre. In Saaldorf müssen wir einen der beiden 2-Liter-Tetrapacks der Hitze opfern, glücklicherweise können wir in einem Getränkemarkt in Saalburg unsere Reserveren auffüllen. So langsam kommt der Abend heran, wir treten leicht geschafft weiter über Kloster und Burgk nach Ziegenrück. Bevor wir unser Ziel gegen 21 Uhr erreichen, eine Gartenlaube bei Gössitz, baden wir vor Moxa in einem See. Nach einem Pastasnack sind wir reif für das Traumland.

Sonntag, 08.06.: Ruhetag mit Erkundungstour

Saale - HohenwarteNach den gestrigen über 120 Kilometern gönnen wir uns heute einen Ruhetag, die Steigungen mit voller Beladung machen sich in den Beinen bemerkbar. Halb 10 stehen wir auf und essen gemütlich Frühstück. Bis zum Mittag bauen wir mit dem Besitzer der Hütte ein Faltboot unten an der Hohenwartetalsperre auf. Als wir zurückkommen, ist Martin bereits da. Bevor wir zur Erkundungstour aufbrechen, gibt’s Spaghetti und Gulasch. Dann radeln wir ohne Gepäck zur Linkenmühle und auf einem Wanderweg Richtung Ziegenrück. Bald erreichen wir das alte Wasserkraftwerk, die letzten Meter kraxeln wir über die Felsen. Neben der Turbinenhalle steigen wir mit Fackeln ausgerüstet in einen alten Tunnel ab, durch den zu Betriebszeiten das Wasser gelenkt wurde. Nachdem wir unser Abenteuerdrang gestillt ist, machen wir uns auf den Rückweg, mittlerweile regnet es. Als wir am Bungalow angkommen, sind wir bis auf die Haut durchnäßt. Am Abend kommt die Sonne wieder raus und trocknet die Klamotten, während wir die Reste vom Mittag essen. Bis halb 10 sitzen wir rum und unterhalten uns, dann kriechen wir in die Schlafsäcke.

Montag, 09.06.: Von Gössitz nach Jena [91km]

Saale - JenaGut ausgeschlafen stehen wir gegen 9 Uhr auf und können den Tag mit einem gemütlichen Frühstück beginnen, da unsere heutige Etappe nicht so lang und bergig wird wie die vorhergehende. Mit einem letzten Blick zur Hohenwarte-Talsperre fahren wir halb 11 los. Zuerst strampeln wir nach Gössitz zurück und von dort weiter auf die Höhe nach Schmorda. Hinter Bucha führt die Straße runter zur Staumauer, es geht ordentlich in die Tiefe. Mittlerweile befinden wir uns auch wieder auf dem Saaleradwanderweg, der uns nun entlang der Saale an Hohenwarte, Breternitz und Reschwitz fernab der Bundesstraße nach Saalfeld führt. Immer das nächste Hinweisschild suchend tasten wir uns durch die Stadt, auf der rechten Saaleseite geht es nun über Remschütz nach Schwarza auf einem neu asphaltierten Wegstück, hier rollt es sich richtig gut bei so tollem Wetter. Die Beschilderung zeigt zum ersten Mal die Entfernung nach Jena mit 44 Kilometern, demnach haben wir heute die halbe Strecke schon hinter uns gelassen. In Schwarza füllen wir unsere Getränkeflaschen nach, der Übergang nach Rudolstadt ist fließend. Kurz hinter dem Bahnhof biegt der Weg zum Ortsteil Cumbach ab und führt auf einer Landstraße über Catharinau, Kolkwitz und Weißen. Ab und zu sind zwar ein paar kurze Steigungen zu bewältigen, dafür ist es sehr viel ruhiger und angenehmer als auf der B88, welche auf der anderen Saaleseite entlangführt. Zwischen Uhlstädt und Zeutsch rumpeln wir über einen Feldweg, in Niederkrossen verlieren wir den offiziellen Weg und schlagen uns durch die Wiese nach Freienorla. Mit knurrendem Magen kommen wir nach Kahla und finden am Bahnhof einen Imbiß. Auf bekanntem Weg fahren wir anschließend über Großpürschütz, Schöps und Rothenstein nach Jena, halb 5 haben wir die Etappe geschafft und kommen zu Hause an.

Donnerstag, 12.06.: Von Jena nach Könnern [160km]

Da zwischenzeitlich noch ein paar Dinge mit den Zivildienststellen geklärt werden mussten, bietet sich heute erst die nächste Gelegenheit für den zweiten Teil der Saaletour. Aufgrund der wenigen Zeltplätze entlang der Strecke entscheiden wir uns ganz ohne Gepäck zu fahren und am Abend mit dem Zug zurückzukommen. Gegen 8 Uhr starten wir bei stark bewölktem Himmel, der sehr gut ausgebaute Radweg führt uns durch das Gewerbegebiet über Golmsdorf und Kunitz nach Dorndorf. Hier wird es etwas holprig nach Würchhausen, bevor wir Camburg auf einer Nebenstraße erreichen. Mit leichten Steigungen geht es weiter Richtung Großheringen, dem Mündungsort der Ilm. Kurz darauf erhebt sich die Rudelsburg über der Saale und wir kommen nach Bad Kösen. So langsam verlieren die umgebenden Berge an Höhe, der Radweg verläuft im breiten Saaletal flankiert von Weinbergen. Hinter Schulpforta wählen wir ein kurzes Stück Bundesstraße, um nach Naumburg zu gelangen. Nach Gefühl durchqueren wir die Stadt und finden den Radweg tatsächlich wieder. Bei Schönburg müssen wir die Regenjacken rausholen, da es anfängt zu regnen. Saale - PanneEinigermaßen geschützt kämpfen wir uns auf Feld- und Plattenwegen nach Weißenfels voran. Bei Großkorbetha endet der Weg an einer Fähre und wir setzen über, auf der anderen Seite folgt er den Windungen der Saale nach Leuna. Dort hat Ronny eine Reifenpanne, die aber in einer Viertelstunde mit dem vorhandenen Flickzeug behoben ist. Von Merseburg bekommen wir nicht viel zu sehen, da der Weg am äußeren Stadtrand entlangführt. Dafür nähern wir uns immer mehr Halle, durch die Saaleauen geht es über Röpzig direkt in die Stadt. Wir füllen unsere Getränkeflaschen nach und verlassen Halle über die Neustadt und finden sogar vor Lettin den Radweg wieder, wenn auch in schlechter Qualität. Kurz darauf sind wir bei Brachwitz erneut auf die Fähre angewiesen, auf Kopfsteinpflaster rumpeln wir anschließend nach Döblitz. So langsam läßt die Motivation nach und wir vereinbaren, nur noch bis 18 Uhr zu fahren. Die Qualität des Radwegs nimmt merklich ab, die Landschaft bietet auch nicht mehr so viele Akzente. In Könnern biegen wir gut geschafft nach insgesamt 160 Kilometern zum Bahnhof ab und fahren mit dem Zug nach Jena zurück, wo wir gegen 21 Uhr ankommen.

Kommentare