Radtour Schottland

6. August 2000     0 Kommentare

Prolog

Schottland - Karte
OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA]
Während unserer Studienzeit waren die Semesterferien vorallem im Sommer sehr großzügig bemessen, diese freie Zeit wollten wir angemessen nutzen. Dieses Jahr stand eine Radtour durch Schottland auf dem Plan, an der Ronny, Simon, Marco, Stefan und ich teilnahmen. Die nachfolgend beschriebene Strecke kann in jeder GPX-fähigen Kartenanwendung geladen und detailliert nachvollzogen werden.

Sonntag, 06.08.: Von Jena nach Zell an der Mosel [12km]

Schottland - Jena WestbahnhofBevor wir in Schottland radeln konnten, mussten wir irgendwie auf die Insel kommen. Dafür hatten wir uns die günstigste Flugverbindung rausgesucht. Ein recht neuer Anbieter namens Ryan-Air hatte ein unschlagbares Angebot, allerdings beschränkt auf den ehemaligen Militär-Flughafen Frankfurt-Hahn. Also treffen wir uns gegen 7 Uhr auf dem Westbahnhof, um zusammen mal wieder mit dem Wochenendticket für ganze 35 DM (17,50 €) nach Zell an der Mosel zu gelangen. Allerdings haben wir beim Umsteigen mit den vollbepackten Rädern ordentlich zu tun. Nach reichlich 9 Stunden kommen wir in Bullay an und radeln die restlichen 5 Kilometer nach Zell auf den Zeltplatz. Dort können wir für 8,50 DM (4,25 €) pro Nase und Nacht unsere Hütten aufschlagen, anschließend geht’s an die Zubereitung des Abendbrotes. Mit zwei Benzinern kochen wir uns einen leckeren Pastasnack. Den Abend lassen wir mit einer Flasche Rotwein ausklingen.

Montag, 07.08.: Ruhetag in Zell mit Erkundungstour [70km]

Schottland - Zell an der MoselAusgeschlafen werden wir gegen 8 Uhr wach, der strahlend blaue Himmel wird nur von ein paar kleinen Schäfchenwolken durchzogen. Mit frischen Brötchen, Marmelade und Tee beginnt der Tag, dann radeln Marco, Simon, Ronny und ich zum Flughafen, während Stefan auf dem Zeltplatz bleibt. Hinter Zell folgen wir dem Altlayer Bach talaufwärts, der von einigen alten Mühlen gesäumt wird. Auf dieser Nebenstrecke kommen wir ohne viel Verkehr vorwärts. Vor und nach Altlay beginnt dann die wahre Steigung mit bis zu 10%, doch ohne Gepäck kommen wir recht gut hoch. Jetzt noch ein paar Kilometer auf der B327 über den Hunsrück, dann sind wir am Flughafen und schauen uns um. Viel ist nicht los bei gerade mal fünf Abflügen pro Tag. Die Tickets bekommen wir erst morgen, also machen wir uns auf den Rückweg und rollen die 370 Höhenmeter wieder runter. Zum Einkaufen fahre ich mit Stefan auf die Höhe der anderen Moselseite, hier gibt’s auch was zum Mittagessen. Bis zum Abendbrot basteln wir an Ronny’s Fahrrad, dann schön heiß duschen und fertig sind wir für einen Spaziergang durch den Ort. Als wir halb 10 zurückkommen, genießen wir vor dem Schlafengehen noch ein Weinchen.

Dienstag, 08.08.: Von Zell nach Kilmarnock [66km]

Schottland - KilmarnockHeute fliegen wir rüber auf die Insel, d.h. etwas zeitiger gegen 7 Uhr aufstehen. Draußen sieht es aus, als ob jeden Moment der Regen einsetzt. Für den Frühstückstee brennen wir meinen Kocher leer, dann die Zelte abbauen und alles verpacken. Dreiviertel 10 kommen wir weg, nun kurbeln wir uns vollbeladen auf die Hunsrück Höhenstraße hoch, in Altlay gibt’s eine kleine Pause. Nach gut zwei Stunden kommen wir am Flughafen an, die Arbeit geht erst richtig los. Pedalen abschrauben, Lenker verdrehen, Luft ablassen, Kette und Zahnräder mit Pappen abdecken. Pro Fahrrad werden uns 45 DM (23 €) berechnet, wir selbst dürfen für 90 DM (45 €) im Flugzeug Platz nehmen. Dann geht’s kurz vor 15 Uhr los, ich fliege zum ersten Mal und bin beeindruckt von der Beschleunigung. Nach zwei Stunden mit tollem Blick über die Wolken beginnt auch schon der Landeanflug auf Prestwick. In der Empfangshalle warten auf wir unser Gepäck und bauen die Räder wieder zusammen. Als wir ins Freie treten, lacht die Sonne vom Himmel und es ist schön warm. Sind wir wirklich in Schottland angekommen? Auf der Bundesstraße A79 radeln wir erstmal in Richtung Kilmarnock, die Umstellung auf Linksverkehr bereit gleich am ersten Kreisel noch Probleme. Zwanzig Kilometer später haben wir die Stadt erreicht, kaufen im Supermarkt für das Abendbrot ein und holen an der Tankstelle Benzin. Während wir auf der A71 weiter nach Osten radeln, halten wir nach einer Campingmöglichkeit Ausschau, da es schon nach 18 Uhr ist. Auf einer Kuhwiese einer freundlichen Bäuerin finden wir Platz und bauen auf. Anschließend werfe ich mit Simon die Kocher an, nach dem Abendbrot fallen wir gegen 22 Uhr müde ins Zelt.

Mittwoch, 09.08.: Von Kilmarnock nach Edinburgh [110km]

Schottland - RegenDa ab 8 Uhr die Kühe auf unsere Wiese getrieben werden und wir heute auch bis Edinburgh kommen wollen, lassen wir uns bereits 6 Uhr wecken. Leider hat es sich draußen so richtig schön eingeregnet, wie man es von Schottland erwartet. Nach ein paar sehr weichen Scheiben Weißbrot packen wir unsere Sachen, anschließend das Innenzelt unter dem Schutz der Außenhülle. Diese muss nun nass verpackt werden, da hilft alles nix. Während wir auf der A71 Richtung Osten radeln, wird uns trotz des Regens schön warm. Über Galston, Strathaven, Stonehouse und Waterloo fahren wir an Wiesen, Schafen und Dörfchen vorbei. Ab und zu hört es auch auf zu regnen, dann werden die Schutzhosen bis zum nächsten Schauer wieder abgelegt. Mir ist das zu kompliziert, Windjacke, kurze Hose und Sandalen reichen aus und trocknen auch schnell wieder. Die zweite Hälfte der Strecke ist weniger hügelig und fällt leicht zur Küste hin ab, sodaß wir gut vorankommen und gegen 15 Uhr die Stadtgrenze von Edinburgh erreichen. Am ersten Supermarkt kaufen wir für heute Abend ein. Dann begeben wir uns auf die Suche nach einem Zimmer in einer Jugendherberge, leider ist aber schon alles belegt und so weichen wir auf den Campingplatz Mortonhall Caravan Park im Süden der Stadt aus. Kurz nach 19 Uhr können wir für 7,60 £ (11,50 €) pro Person unsere Zelte aufbauen, ein kräftiger Wind läßt zudem alles schnell trocknen. Dann freue ich mich auf eine warme Dusche, bevor wir die Kocher in Gang bringen und uns etwas aus der Tüte zubereiten. Nach dem Abwasch gehen wir erschöpft schlafen.

Donnerstag, 10.08.: Ruhetag in Edinburgh [8km]

Schottland - Edinburg CastleGut ausgeschlafen werden wir von ganz allein wach, heute treibt uns nichts. Ein Blick aus dem Zelt läßt Freude aufkommen, ein blauer Himmel mit ein paar Wölkchen präsentiert sich wie zur Versöhnung. Das Zelt ist bereits trocken als wir uns zum Frühstück zusammensetzen und Simon uns eine türkischen Kaffee brüht. Anschließend bauen wir ab und packen ein, kurz nach 10 Uhr sind wir fertig und rollen ganz gemütlich zurück in die Jugendherberge, um das gestern reservierte Zimmer für 12,75 £ (20 €) pro Nacht und Nase zu beziehen. Die Räder schließen wir ab und begeben uns auf eine Erkundungstour durch Edinburgh, nur Stefan muss sich erstmal um die angebrochenen Gepäckstützen an seinem Fahrrad kümmern. Zuerst kaufen wir uns ein Baguette und Käse für ein Mittag unter Sonnenschein im Park. Gut gesättigt machen wir uns auf den Weg zum Edinburg Castle, in dem wir uns zwei Stunden aufhalten und interessante Geschichten vom Schicksalsstein und der Mons Meg zu hören bekommen. Dann wird es auch schon Zeit für den Rückweg, halb 6 haben wir uns mit Stefan in der Jugendherberge verabredet. Dort angekommen setzen wir eine Wäsche an, belagern die Selbstkocherküche und kochen uns zum Abendbrot leckere Nudeln mit Sahne-Käse-Sauce, Tränen gibt’s nur beim Zwiebelschneiden. Mit vollem Magen quälen wir uns halb 12 in die Betten.

Freitag, 11.08.: Von Edinburgh nach Sterling [67km]

Schottland - CampingwieseNach dem gestrigen Ruhetag und einer erholsamen Nacht in einem richtigen Bett, steht heute die nächste Etappe auf dem Programm. Zum Frühstück bekommen wir von der Jugendherberge Cornflakes, Milch, Saft, Brötchen, Marmelade und Tee bis zum Abwinken. Anschließend packen wir, ich wechsle noch die Bremsbacken an meinem Rad aus. Dann kann’s losgehen, das Wetter ist nicht mehr ganz so schön wie gestern, aber wenigstens regnet es nicht. Zuerst suchen wir uns einen Weg aus Edinburg, dann fahren wir auf der A90 Richtung Westen, die uns nach ein paar Kilometern über die imposante Forth Road Bridge bringt. Nach einer kleinen Pause mit den restlichen Nudeln von gestern setzen wir die Tour auf der ruhigeren A985 fort, es geht recht eben dahin. Wir passieren Torryburn und Kincardine, bevor wir über die A905 nach Stirling kommen. Hier treffen wir halb 5 ein und kaufen in einem Supermarkt die Grundlage für unser Abendbrot. Auf der Suche nach einer Zeltmöglichkeit verlassen wir die Stadt und fragen uns bei Farmern durch, hinter der Auffahrt zur Autobahn entlang der A811 werden wir freundlich aufgenommen. Leider wimmelt es hier nur so von kleinen Mücken, aber bei einer Flasche Australischem Geburtstags-Wein von Marco sind sie schnell vergessen.

Sonnabend, 12.08.: Von Sterling zum Loch Lomond [44km]

Schottland - Loch LomondSchön ausgeschlafen krieche ich gegen 8 Uhr aus meinem Schlafsack, Stefan stiefelt bereits draußen unter einem grauen Himmel rum. Nach Kuchen und Tee zum Frühstück bauen wir die Zelte ab und verpacken alles auf den Rädern, mittlerweile klappt das richtig schnell und wir können halb 10 losfahren. Auf der A811 geht es weiter Richtung Westen, immer am Fuße der Lennox Hills, die sich nach Süden erstrecken. Ab und zu nieselt es fein, ansonsten kommen wir sehr entspannt voran, weil die Straße sehr wenig befahren ist. Gegen Mittag sind wir bereits in Drymen am Abzweig zum Loch Lomond und kaufen uns Zutaten für das heutige Abendbrot. Im Regen setzen wir die Fahrt auf der Nebenstraße entlang des Sees fort. Bereits 14 Uhr beenden wir am Zeltplatz Cashel die Etappe und bauen für 4,80 £ (7 €) pro Person mitten im Regen auf. Bis zum Abendbrot lese ich, dann stillen wir unseren Hunger mit einem Kilo Nudeln. Anschließend wandern Ronny, Simon und Marco in die Berge, während Stefan und ich das abendliche Farbenspiel am See beobachten.

Sonntag, 13.08.: Vom Loch Lomond zum Loch Fyne [76km]

Schottland - PasshöheHeute trennen sich unsere Wege. Ronny und Simon haben durch den Regen und die Aussicht auf noch anstehende Bergetappen keine Lust mehr und wollen noch am See bleiben. Marco, Stefan und ich packen zusammen und radeln 9 Uhr los, nachdem wir uns verabschiedet und auf den Flughafen als Treffpunkt abgestimmt haben. Bis zum Rovardennan Hotel folgen wir der Straße, dann müssen wir mit der Fähre auf die andere Seeseite nach Inverbeg übersetzen. Dort angekommen radeln wir auf der A82 weiter im Regen nach Arrochar und biegen dann auf die A83 ab. Nun erwartet uns der Aufstieg zum Pass Rest and be thankful, dabei sind von Meeresniveau ungefähr 265 Höhenmeter zu bewältigen. Oben angekommen warten wir aufeinander, erholen und erfreuen uns an der Aussicht, während Rennradler einer Rundfahrt über den Pass gesprintet kommen. Nachdem die Kolonne vorbei ist, schwingen wir uns auch zu Tale und erreichen durch abwechselndes Windschattenfahren bald Inveraray. Hier kaufen wir trotz Sonntag für Abendbrot und Frühstück ein und suchen uns auf dem weiteren Weg eine günstige Biwakstelle. Gegen halb 5 finden wir an einer Bushaltestelle eine Wiese und bauen auf. Zum Abendbrot gibt’s ein Fertiggericht mit Reis, im nahegelegenen Bach können wir das Geschirr abwaschen.

Montag, 14.08.: Vom Loch Fyne nach Oban [87km]

Schottland - ObanIn der Nacht hatte es ordentlich geregnet und so werden Marco und ich durch Stefan gegen 7 Uhr geweckt, der gerade sein Zelt abtrocknet. Die Frühstücksbrote schmiere ich für alle im Zelt, gut geschützt vor Mücken und anderen angriffslustigen Insekten. Nachdem wir uns gestärkt haben, packen wir zusammen und starten kurz nach 9 Uhr. Auf der A83 radeln wir nach Lochgair und weiter an der Küste von Loch Fyne entlang, eine Stunde später kommen wir in Lochgilphead an. Nun verlassen wir das Meer und folgen der A816 ins Landesinnere nach Norden, die ohne große Höhendifferenzen bis Kilmartin auskommt. Hier gibt es ein Castle und weitere touristische Attraktionen, wir legen wir eine erste große Pause ein. Nach einem Riegel und Apfel radeln wir weiter, leider wieder mal im Regen. In Kintraw berührt die Straße kurzzeitig das Meer, quert eine Landzunge und ist kurz darauf wieder am Meer, der Regen peitscht uns immer noch ins Gesicht und ein Pause kühlt uns schnell aus. In Kilmeford verlassen wir erneut das Meer, bevor es mit bis zu 12% Steigung in eine Hochebene geht, gibt Stefan noch eine Runde Eis aus. Oben angekommen schlängelt sich die Straße an einem Stausee und kleinen Hügel vorbei. Nach ein paar Kilometern geht es in die Abfahrt nach Kilninver, doch plötzlich habe ich hinten einen Platten. Ich wechsle den Schlauch, allerdings ist im Mantel ein Riß, durch den sich der Schlauch rausdrückt. Marco und Stefan fahren nach Oban vor auf der Suche nach einem neuen Mantel, ich rolle langsam hinterher. Doch bald ist die Luft wieder raus und ich schiebe mein Rad bis kurz vor Kilmore, wo mir Stefan völlig abgehetzt mit einem neuen Mantel entgegen kommt. Also wieder das Gepäck abbauen, Rad ausbauen, Schlauch reparieren und weiter geht es auf die letzten 12 Kilometer nach Oban. Marco wartet bereits am Supermarkt, wir kaufen ein und suchen eine Wiese zum übernachten. Schließlich landen halb 7 wir auf dem Campingplatz Ganavan Bay im Norden von Oban und bauen für 4 £ (6 €) pro Nase die Zelte auf, mit fantastischem Blick direkt zum Meer. Nach einem kurzen Abtauchen in der kalten Irischen See genießen wir eine warme Dusche.

Dienstag, 15.08.: Ruhetag in Oban [12km]

Da wir zeitlich gut in der geplanten Runde durch die Schottischen Highlands liegen und wir uns gerne in Oban und der Umgebung umsehen wollen, legen wir heute einen Ruhetag ein. So stehen wir erst gegen 9 Uhr auf, zum Frühstück kämpft sich sogar zeitweise die Sonne durch. Ganz ohne Gepäck radeln wir in die Stadt zurück und schauen uns diese zuerst vom McCaig’s Tower aus an mit einem imposanten Blick auf die Umgebung. Anschließend rollen wir gemütlich auf dem Weg zum Supermarkt zwischen schönen Häusern durch die Altstadt von Oban. Bei Tesco angekommen kaufen wir uns Brötchen, Käse und Joghurt zum Mittagessen und Spaghetti zum Abendbrot. Zurück am Zeltplatz legen wir uns auf den Isomatten in die Sonne und entspannen. Am Abend spielen wir Uno und trinken einen Wein auf meine gestrige Panne.

Mittwoch, 16.08.: Von Oban zum Loch Earn [97km]

Schottland - HighlandsNachdem wir uns gestern schön erholt haben, steht heute die nächste Etappe auf dem Plan, direkt durch die Schottischen Highlands. Wir frühstücken, packen zusammen und kommen erst 11 Uhr los. Auf der A85 verlassen wir Oban nach Norden, in Connel ändert die Straße ihre Richtung dann nach Osten. Mittlerweile begleitet uns auch eine Bahnstrecke und so radeln wir gemütlich und ohne große Anstrengungen über den Pass of Brender. Bei Dalmally gibt es eine längere Mittagspause, bevor wir uns unter Beregnung in einem ordentlichen Anstieg nach Tyndrum zur Quelle des River Lochy hochkämpfen. Die Berge um uns herum haben bereits Höhen um 1000 Meter, entsprechend verändern sich die Vegetationszonen. Auf dem Pass angekommen gönnen wir uns eine Pause an der Tankstelle, bevor es in einer rasanten Abfahrt nach Crianlarich runtergeht. Doch die Kälte zehrt an unseren Kräften und so schleppen wir uns 11 Meilen später über den letzten Pass für heute nach Lochearnhead am Loch Earn. Dort fragen wir nach einer Biwakmöglichkeit, finden gegen 18 Uhr aber selbst eine idyllische Stelle an einem Bergbach und bauen wieder mal im Regen auf. Sobald das Zelt steht gehe ich etwas durchfroren im kalten Bach baden und wärme mich dann im Schlafsack auf. Nach einer halbe Stunde ist mir einigermaßen warm und ich koche unser Abendbrot, anschließend fallen wir erschöpft in die Betten.

Donnerstag, 17.08.: Vom Loch Earn nach Stirling [75km]

Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht beginnen wir den Tag mit heißem Tee und Weißbrot Weißbrot mit Marmelade oder Nutella. Das Abbauen der Zelte wird aufgrund der Mücken ein zappelige Angelegenheit, ich bin froh halb 11 auf dem Rad zu sitzen. Erstmal zurück zur A84 und auf dieser Richtung Süden, gleich zu Beginn erwartet uns ein leichter Anstieg über einen Paß, der uns aus den Highlands bringt. Nach ein paar Ortschaften erreichen wir Loch Lubnaig, der bereits nach Süden abfließt, Stefan und ich lassen uns rollen und warten in Kilmahog auf Marco. Gemeinsam fahren wir anschließend mit leichtem Gefälle über Callander und Doune nach Stirling, die Anzahl der Ortschaften am Wegesrand nimmt wieder zu, wir kommen in die Zivilisation zurück. Halb 2 erreichen wir unser heutiges Etappenziel und suchen den Zeltplatz im Süden der Stadt bei Auchenbowie auf. Die Sonne scheint und wir bauen erstmal auf, damit alles trocknen kann. Halb 7 fahren Stefan und ich nochmal zurück zu Tesco, um für heute Abend (Milchreis) und die nächsten einzukaufen. Als wir zurückkommen ist auch die Rezeption besetzt und wir bezahlen für die Übernachtung jeweils 4 £ (6 €), nach einer angenehm warmen Dusche gehen wir schlafen.

Freitag, 18.08.: Ruhetag in Stirling [19km]

Schottland - Stirling CastleUnser Flieger geht erst am Dienstag und wir haben bis auf die Fahrt nach Prestwick unsere geplante Runde bereits geschafft, deshalb können wir heute und morgen zwei Ruhetage auf dem Zeltplatz einlegen. Ganz in Ruhe stehen wir halb 10 auf, frühstücken Weißbrot mit Lemon Curd und kriechen wieder zurück in die Zelte zum Lesen, da um uns rum nur Nebel liegt. Gegen Mittag guckt die Sonne hervor und wir radeln nach Stirling, rollen durch die Innenstadt zum Stirling Castle hoch und lassen uns auf den äußeren Mauern nieder um die Aussicht und Ruhe zu genießen. Nach zwei Stunden radeln wir zurück, bis zum Abendbrot lese ich noch ein paar Seiten. Mit vollen Bäuchen spielen wir bis zum Dunkelwerden Uno.

Sonnabend, 19.08.: Noch ein Ruhetag in Stirling [17km]

Auch heute gönnen wir uns einen entspannten Tag auf dem Zeltplatz. Gegen 10 stehen wir auf, zum richtigen Munterwerden brauche ich erstmal eine kalte Dusche. Ab und zu regnet es mal kurz, ideales Wetter um sich im Zelt liegend als Bücherwurm zu betätigen. Zum Mittag schmieren wir uns ein paar Schinkenbrote, am Nachmittag steht der Pflichtausflug zu Tesco auf dem Programm. Zum Abendbrot gibt es neben Reis mit süß-saurer Sauce etwas frisches Obst.

Sonntag, 20.08.: Von Stirling nach Prestwick [93km]

Schottland - PrestwickEndlich können wir nach zwei Tagen Leerlauf mal wieder die Beine schwingen, bis Prestwick steht uns sogar eine ordentliche Tour von knapp 100 Kilometern bevor. Deswegen stehen wir bereits halb 8 auf, nach dem Frühstück folgt obligatorische Abbau- und Packzeremonie. Keine zwei Stunden später sitzen wir im Sattel und radeln auf der A872 über Dunipace und Denny nach Süden. Wir queren die Autobahn und folgen nun der A803 nördlich von Cumbernauld direkt nach Glasgow, es ist trocken und wir kommen gut voran. Gegen Mittag erreichen wir die Vororte von Glasgow, typische Plattenbau-Siedlungen. Doch auch das Zentrum präsentiert sich ziemlich häßlich für eine Industriestadt, graue und schwarze Fassaden ermutigen uns nicht zum Anhalten. Bevor wir endgültig die Stadt durch die etwas besseren Viertel verlassen, rasten wir an einer Bushaltestelle und essen Müsliriegel, Äpfel und Kekse. Gestärkt können wir uns nun auf A77 wagen, eine zweispurig ausgebaute Schnellstraße, die uns auf direktem Weg nach Prestwick bringt. Auf dem Seitenstreifen fahren Stefan und ich wieder abwechselnd Windschatten, die Meilen fliegen nur so dahin. Bei Kilmarnock gibt’s nochmal eine Pause, dann fällt die Straße beständig zum Meer hin ab. Das Wetter wird immer schöner und so kommen wir wieder mal bei strahlendem Sonnenschein pünktlich 15 Uhr in Prestwick am Caravanpark zwischen Flughafen und Meer an, die Rundfahrt ist beendet! Für 5,50 £ (8,50 €) pro Person und Nacht dürfen wir unsere Zelte aufbauen, direkt unter der Einflugschneise. Bis zum Abendbrot relaxen wir in der Sonne und spazieren ein wenig am Meer.

Montag, 21.08.: Ruhetag in Prestwick [38km]

Schottland - AbendbrotZärtlich werden wir gegen 8 durch die erste Flugzeugturbine geweckt. Beim Frühstück fällt mir auf, dass in den letzten zwei Wochen nur zwei Drittel der 1-Liter-Benzinflasche zum Kochen verbraucht wurden, morgen zum Flug muss sie aber leer sein. Also setzen wir mal wieder einen großen Topf Tee zu Weißbrot und Marmelade an. Dazu bietet uns eine freundliche Camperin von nebenan Kaffee und Spiegelei mit Schinken an, da greifen wir natürlich zu! Nach dem Frühstück wollen Stefan und ich nach Ronny und Simon suchen, wir heizen die A77 Richtung Kilmarnock zurück zum nächsten Zeltplatz, doch auch hier sind sie nicht zu finden. Als wir eine Stunde später zurückkommen, ist Marco nicht mehr da und so legen wir uns wartend in die Sonne, bis er mit den beiden im Schlepptau auftaucht. Gemeinsam laufen wir zur Jugendherberge nach Ayr, wo Ronny und Simon untergekommen sind, während wir uns gegenseitig die Erlebnisse der letzten Tage erzählen. Ronny wurde in Glasgow sein Rad gestohlen, deswegen mussten die beiden das letzte Stück mit dem Bus fahren. Nachdem wir uns für morgen am Flughafen verabredet haben, heizen wir drei zurück zum Campingplatz, unterwegs sind noch ein paar Dinge einzukaufen. Kaum am Zelt angekommen, beginnt es zu schütten, wir spielen bis zum Abendbrot Uno. Dann wird für Resteverwertung und Tee auch der letzte Tropfen Benzin verheizt, nach dem Abwasch versuchen wir einzuschlafen.

Dienstag, 22.08.: Von Prestwick nach Koblenz [88km]

Schottland - KoblenzGegen 7 Uhr werden Marco und ich von Stefan geweckt, bis zum Flughafen ist es zwar nur ein Katzensprung aber es gibt noch eine Menge zu tun. Am strahlend blauen Himmel begrüßt uns die Sonne, die unsere Zelte trocknet während wir und mit dem Frühstück beschäftigen. Dann alles zusammengepackt und auf die Räder geschnallt, kurz nach 9 Uhr sind wir am Flughafen, wo bereits Simon wartet. In einer Ecke der Abfertigungshalle nehmen wir uns wieder unserer Räder an und verpacken sie in Pappe. Anschließend bezahlen wir die Räder und checken ein. Viertel 12 sitzen wir im Flugzeug und verlassen voll schöner Erinnerungen Schottland. Kurz nach 14 Uhr landen wir planmäßig in Hahn und warten auf unsere Räder und Gepäck. Marco, Simon und Ronny fahren mit dem Bus nach Frankfurt und wollen von dort weiter mit dem Zug nach Hause, während Stefan und ich unsere Räder startklar machen. Wir haben uns heute noch Koblenz als Ziel gesteckt, welchem wir viertel 4 nach dem Abschied von den anderen entgegenstrampeln. Auf der Hunsrück-Höhenstraße geht es erst ein Stück nach Osten, dann kommt die Abfahrt nach Treis-Karden zur Mosel runter. Auf der B416 wechseln wir uns mit dem Windschatten ab und machen ordentlich Tempo flußabwärts, selbst Rennradler sind nicht sicher vor uns. Gegen 19 Uhr treffen wir am Campingplatz gegenüber dem Deutschen Eck ein, während ich aufbaue sucht Stefan einen Supermarkt. Zum Abendbrot gibt’s Currywurst, Pommes, Radler und Obst. Die nächsten zwei Tage radel ich die Lahn aufwärts und über Gießen, Bad Hersfeld und Eisenach Richtung Heimat, sodaß am Ende 1100 Kilometer in knapp 3 Wochen geradelt sind.

Kommentare