Radtour Ötztal-Marathon

30. Juli 2004     2 Kommentare

Prolog

Oetztal - Karte
OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA]
Nach der Radtour Jena-Gardasee wollte ich mal wieder mit dem Fahrrad durch die Alpen fahren. Schnell kristallisierte sich die Strecke des sogenannten Ötztal-Radmarathons als Favorit heraus. Im Gegensatz zu den im Wettkampf maximal 24 Stunden setzte ich mir allerdings zwei Tage für die Runde. Die nachfolgend beschriebene Strecke kann in jeder GPX-fähigen Kartenanwendung geladen und detailliert nachvollzogen werden.

Freitag, 30.07.: Anfahrt nach Oetz

Oetztal - OetzUrsprünglich waren Tom und Stefan von der Idee auch begeistert, letztlich klappte es bei ihnen aber doch nicht. Also nehme ich mir kurzfristig einen Tag Urlaub, leihe bei Europcar ein Auto zum Wochenendtarif, packe das Fahrrad rein und fahre gegen 13 Uhr los. Bei bestem Sommerwetter geht’s über die A9 Richtung Süden. Am Nachmittag bin ich in München, nach einer halben Stunde über den Ring geht es ganz entspannt auf der A95 nach Garmisch-Partenkirchen. Dann ist es endgültig vorbei mit der Autobahn, dafür weckt das aufsteigende Alpenpanorama bereits Lust auf’s Radeln. Am Fernpaß bietet sich ein toller Blick zurück auf das Zugspitz-Massiv, nun ist es auch nicht mehr weit. Über Imst fahre ich nach Ötz am Eingang zum Ötztal gelegen. Auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit finde ich die Pension Goldrain, für 25 € bekomme ich ein Bett und morgen Frühstück. Außerdem liegt sie schon an der Straße, über die ich morgen nach Kühtai fahren will. Zum Abendbrot gehe ich im Ort eine Pizza essen.

Sonnabend, 31.07.: Oetz – Kuehtai – Innsbruck – Brenner – Jaufenpass – St. Leonardo [150km, 3415Hm]

Oetztal - KühtaiUm heute soweit wie möglich zu kommen, lasse ich mich 7 Uhr wecken. Zum Frühstück habe ich noch gar nicht großen Hunger, zwinge mich aber trotzdem ordentlich zu essen. Anschließend die Satteltaschen packen und schon komme ich viertel 9 los. Von der Pension geht es gleich richtig gut los, 10% Steigung zum wach werden. Nach genau zwei Stunden sind die 19 Kilometer inklusive der 1170 Höhenmeter zum Kühtai-Sattel geschafft, den ich bisher nur vom Wintersport kannte. Ich gönne mir eine schöne Pause, esse einen Riegel und lasse mich von der Sonne wärmen. Dann die Windjacke anziehen, Helm auf und ab ins Tal nach Innsbruck, zum Teil mit 16% Gefälle. Zur Mittagszeit bin ich nach weiteren 33 Kilometern in der Hauptstadt Tirols und sofort am Fuße der Brennerstraße. Den Aufstieg zum Brenner habe ich noch gut in Erinnerung, bis auf das Steilstück bis zum Abzweig ins Stubaital und kurz vor dem Pass geht es recht flach dahin. So komme ich gegen halb 3 nach 40 Kilometern und 780 Höhenmetern oben an und esse Mittag. Und wieder stürze ich mich ins Tal nach Sterzing, dort biege ich zum Jaufenpass ab. Die Serpentinen scheinen kein Ende zu nehmen, ich halte öfter an und trinke Unmengen von Wasser. Nach 2,5 Stunden sind die 20 Kilometer und 1075 Höhenmeter endlich geschafft, als Belohnung hat man einen tollen Ausblick von hier oben. Nun wieder die Jacke rausholen und die Abfahrt nach St. Leonhard genießen. Unten angekommen suche ich mir eine Pension, unter der Südtiroler Abendsonne gibt’s Radler und Pasta.

Sonntag, 01.08.: St. Leonardo – Timmelsjoch – Sölden – Oetz [88km, 1974Hm]

Oetztal - PasseierNach einem unterhaltsamen Frühstück mit der etwas schrulligen Vermieterin packe ich meine Taschen auf’s Fahrrad, bezahle die 20 € für die Übernachtung und trete kurz vor 9 in die Pedale. Vor mir liegt nun ein 30 Kilometer langer Aufstieg, um von St. Leonhard auf 688 Metern zum Timmelsjoch auf 2509 Metern zu gelangen. Sofort geht es gleichmäßig bergauf, hinter Moos beginnen erste steile Serpentinen, allerdings noch gut gekühlt im Wald. Nach ein paar Kilometern tritt die Straße aus dem kühlenden Schatten der Bäume heraus und der Blick auf die bevorstehende Passhöhe wird frei. Bis die in den Fels gelegten Serpentinen beginnen, radelt man gut 10 Kilometer auf einem flachen Teilstück dahin, endlich hat der Kilometerzähler mal wieder was zu tun. Die letzten 10 Kilometer windet sich die Straße den Berg hoch und auf hier Unmengen von Autos, Motorräder und andere Radfahrer. Mit jeder Wende steigt man weiter über dem Passeiertal auf, hier hilft nur eisern die Beine zu bewegen. Gegen Mittag bin ich vor dem Tunnel mit einem letzten Blick nach Süden, dann noch ein paar Windungen an Schneefeldern vorbei und die 1774 Höhenmeter des Timmelsjoch sind nach 3,5 Stunden geschafft. Darauf gönne ich mir in der Berghütte einen Germknödel und genieße das Gefühl völliger Entspannung. Gut gestärkt und erholt gehe ich in die Abfahrt nach Sölden auf 1362 Metern, bis auf einen kleinen Anstieg zur Mautstelle geht es vor allem nach Hochgurgl ordentlich runter. Oetztal - TimmelsjochAuch nach dem bekannten Winterskiort geht es permanent bergab, erst ab Umhausen wird es flacher und die Beine bekommen mal wieder was zu tun, vorallem weil mir ein frischer Gegenwind um die Ohren weht. Kurz nach 15 Uhr bin ich in Ötz an der Pension, wo ich gestern früh gestartet war. Auf 238 Kilometern waren 5500 Höhenmeter zu überwinden, das tolle Wetter hat dabei mitgeholfen einen bleibenden Eindruck von der Alpenwelt zu hinterlassen. Ich verpacke mein Fahrrad ins Auto und begebe mich auf die Heimfahrt über den Fernpaß, Garmisch-Partenkirchen, München und auf der A9/A4 zurück nach Jena.

Kommentare [2]

  1. Waltraud schrieb am 20. September 2010, 20:13 [#]

    Hallo!
    Leider hast du Deinen Namen nicht genannt, deshalb entschuldige die unpersönliche Anrede.
    Aber zu Deiner Tour möchte ich Dir herzlich gratulieren! Den Ötztamarathon in 2 Tagen mit den Packtaschen ist eine super Leistung!!! Und Dein Bericht ist auch nett geschrieben, sachlich und persönlich. Ich habe das Glück, in den Alpen zu leben und arbeiten. Umgebung Innsbruck.
    Wünsche Dir viele weitere, schöne Touren!
    Liebe Grüße, Waltraud

  2. Matthi schrieb am 20. September 2010, 21:16 [#]

    Hallo Waltraud,
    eine kurzes Profil über mich als Blog-Verantwortlichen gibt es hier. Ansonsten vielen Dank für Deine Worte, die Tour mit ihren vielen verschiedenen Gegensätzen (steile Pässe, schroffe Bergwelt, entspanntes Südtirol) hat mir auch sehr viel Spaß gemacht. Direkt in den Alpen zu leben ist (nicht nur) für derartige Aktionen natürlich absolut ideal!
    Schöne Grüße in die Alpen,
    Matthias