Bootstour Mecklenburg

16. Juli 1995     0 Kommentare

Prolog

Mecklenburg - Karte
OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA]
In den Sommerferien 1995 zwischen der 11. und 12. Klasse ging’s in unserer Doppelkopf-Runde zur Mecklenburger Seenplatte auf eine Woche Paddeln. Mit dabei waren Jens, Ronny, Simon und Matthias. Die nachfolgend beschriebene Strecke kann in jeder GPX-fähigen Kartenanwendung geladen und detailliert nachvollzogen werden.

Sonntag, 16.07.: Anfahrt nach Kratzeburg

Mecklenburg - ZotzenseeMit dem Wochenendticket zu einem sagenhaften Preis von 9,00 DM (4,50 €) geht’s in aller Frühe in Jena los, mit dabei ein Haufen Gepäck, welches von Simon, Ronny, Jens und mir zu schleppen ist. Immerhin müssen zwei komplette Faltboote und einige private Sachen transportiert werden. Den ersten Stop gibt’s in Gera, also alles ausladen und zum nächsten Bahnsteig schleppen, möglichst bevor der Anschlusszug weggefahren ist. Weiter geht’s über Leipzig und Berlin. Irgendwann am Nachmittag kurz vor 15 Uhr kommen wir endlich in Kratzeburg an, leicht fertig nach rund 10 Stunden Zugfahrt, aber noch fit genug die beiden Boote aufzubauen. Leider wird nun das Wetter schlechter und es beginnt zu regnen. Hier wollen wir heute nicht mehr weg und fragen im Bahnhof nach, ob wir hier übernachten können. Das geht erfreulicherweise ohne Probleme, wir bekommen sogar noch Trinkwasser, um unser Abendbrot zu kochen. Dann richten wir es uns auf dem Fussboden mit der Isomatte und dem Schlafsack gemütlich ein. Mit dem Vorbeidonnern der Güterzüge fallen wir in den Schlaf.

Montag, 17.07.: Von Kratzeburg zum Jamelsee [14km]

Mecklenburg - BaabkeNach einer etwas unruhigen Nacht werden wir gegen 7 Uhr wach. Nach einem warmen Tee packen wir unsere Sachen zusammen und tragen nacheinander die Boote runter zum Wasser. Anschliessend noch das Gepäck verstauen und schon kann’s losgehen. Hier in Kratzeburg beginnt der befahrbare Teil der Havel, deren Verlauf wir in den nächsten Tagen folgen werden. Am Anfang haben wir den Käbelicksee vor uns, eine frische Brise weht uns um die Ohren, aber endlich sind wir unterwegs. Nach gut 3 Kilometern kommen wir in ein Stück Kanal, der bald wieder in einen See mündet. Im Zotzensee haben wir beim Eintauchen der Paddel plötzlich Bodenkontakt und so beschließen Ronny und ich den Außenborder zu spielen. Kurz darauf befinden wir uns in einem längeren Kanal, der ungefähr auf der Hälfte bei der Ortschaft Baabke (Empfehlung: lecker Fisch) durch eine Bodenerhebung unterbrochen wird. Doch zum Auspacken und Umtragen gibt es keinen Grund, das Boot läßt sich auf einer Lore umsetzen. Inzwischen ist der Nachmittag angebrochen und wir steuern unser heutiges Tagesziel an, den Camping Hexenwäldchen am Jamelsee. Dazu müssen wir kurz nach der Ausfahrt aus dem Jäthensee in einen Stichkanal nach rechts einbiegen. Wir bauen auf und bezahlen für eine Nacht für 4 Personen, 2 Zelte und 2 Boote insgesamt 26 DM (13 €), gehen baden und laufen in den nahe gelegenen Ort Kakeldütt. Nach dem Abendbrot frönen wir unserer Leidenschaft bei Kerzenschein und Wein.

Dienstag, 18.07.: Vom Jamelsee zum Zierzsee [4km]

Nach einer weitaus erholsameren Nacht kommen wir gegen 9 Uhr aus den Zelten gekrochen, zum Frühstück gibt’s einen Tee und Marmeladenbrote. Doch irgendwie vertrödeln wir uns und sind gegen Mittag noch immer auf dem Zeltplatz, wir sind ja auch im Urlaub und nicht auf der Flucht. Nach dem Mittagessen packen wir doch zusammen und paddeln los. Erstmal geht’s zurück durch den Stichkanal auf den Havelkanal. Doch schon im Zierzsee finden wir, dass es für heute genug war, zumal wir einen prima Biwakplatz gesichtet haben. Wir legen an, packen aus, bauen auf einer etwas höher gelegenen Lichtung auf und genießen die Ruhe und Wildnis.

Mittwoch, 19.07.: Ruhetag am Zierzsee [0km]

Als wir erst gegen 10 Uhr den Kopf aus dem Zelt strecken, hat es gerade aufgehört zu regnen, wir beschließen zu bleiben und einen Ruhetag einzulegen. Nach dem Frühstück fahre ich mit Ronny nach Userin zum Einkaufen, da uns das Brot und andere Lebensmittel ausgegangen sind. Nach unserer Wiederkehr essen wir Mittag, spielen Frisbee, fangen Krebse und lesen. Mittlerweile traut sich auch die Sonne raus und es wird ein richtig schöner Tag zum Entspannen. Natürlich dürfen auch ein paar Runden Doppelkopf nicht fehlen, nach dem Abendbrot dann im Zelt bei Kerzenlicht, die durstigen Mücken beobachten wir doch lieber von drinnen.

Donnerstag, 20.07.: Vom Zierzsee zum Drewensee [21km]

Mecklenburg - SchwaanhavelHeute steht die nächste Etappe auf dem Plan. Das ist jedoch noch kein Grund zur Panik und so kommen wir nach Frühstück und Abbauen der Zelte auch erst kurz nach Mittag los. Vor uns liegt der Useriner See. Nachdem wir ihn überquert haben kommen wir in den Großen Labussee, von nun an teilen wir uns das Gewässer mit Motorbooten. Folgerichtig ist der nächste Kanal zum Woblitzsee auch schon entsprechend ausgebaut und befestigt. Am Ende des Kanals fahren wir um den Zeltplatz herum und nehmen Kurs auf Wesenberg, noch ist die weiße Raute als Wegweiser in den nächsten Kanal nicht zu erkennen. Doch mit jedem Paddelschlag näheren wir uns dem südlichen Ende des Sees und finden schließlich auch die Ausfahrt. Kurz nach der Schleuße biegen wir in die Schwaanhavel, um zum Plätlinsee zu kommen. Doch irgendwie finden wir den richtigen Abzweig nicht, plötzlich versperren uns querliegende Bäume die Weiterfahrt, also wieder umkehren und den Kanal bis Ahrenberg weiterfahren. Dort biegen wir in den Drewensee ein und suchen uns einen lauschigen Biwakplatz, mittlerweile ist es schon 20 Uhr. Noch schnell aufgebaut, Essen kochen und dann ab ins Zelt – die Mücken sind im Anflug.

Freitag, 21.07.: Vom Drewensee zum Kleinen Pälitzsee [15km]

Mecklenburg - SchleuseDa es gestern doch eine größere Tour war, stehen wir heute erst halb 11 auf. Inzwischen hat die Sonne schon ganze Arbeit geleistet, wir stürzen uns in den See. Trotzdem halten sich unter den Bäumen die Mücken noch sehr tapfer, das Frühstück wird der Entspannung wegen ins Zelt verlagert. Dann packen wir zusammen und legen ab. Erstmal zurück in den Finowsee und anschließend weiter zum Großen Priepertsee. An dessen Ende nach dem Ort Priepert biegen in den Ellbogensee Richtung Rheinsberg ab und haben bald die nächste Schleuse erreicht. Nach etwas Erholung und ein paar Kleinigkeiten zum Mittagessen sind wir gestärkt für das letzte Stück über den Kleinen Pälitzsee. Gegen 19 Uhr kommen wir auf dem Campingplatz C18 bei Canow an und bauen auf. Leider sind die Betreiber ziemlich unfreundlich, doch davon lassen wir uns die gute Laune nicht vertreiben.

Sonnabend, 22.07.: Vom Kleinen Pälitzsee nach Fürstenberg [20km]

Mecklenburg - FürstenbergIn der Nacht werde ich von Jens geweckt, es schüttet wie aus Kübeln und wir müssen das Vorzelt schließen. Doch am nächsten Morgen gibt’s eine böse Überraschung – Simon und Ronny standen mit ihrem Zelt in einer leichten Senke und nun in einer Pfütze. Alle Klamotten naß und das Wetter sieht nicht nach Besserung aus. Wir packen alles ein, dreckig und naß wie es ist, und machen uns auf den Rückweg nach Fürstenberg. Also zurück über den Kleinen Pälitzsee, bei Strasen wieder hochschleusen und durch den Ellbogensee. Dabei weht ein kräftiger Westwind und wir versuchen durch ein Isomattensegel schneller vorwärtszukommen. Doch auch so sind wir flink unterwegs und lassen den Ziernsee, Menowsee und Röblinsee hinter uns, als vor uns schon Fürstenberg auftaucht. Wir suchen eine geeignete Einsatzsstelle um die Boote aus dem Wasser zu bekommen. Auf dem Bahnhof breiten wir erstmal alles aus und lassen es trocknen. Heute kommen wir hier nicht mehr weg, so verbringen wir eine abenteuerliche Nacht auf dem Bahnhof. Mit dem ersten Zug treten wir gegen 4 Uhr die Heimreise an.

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