Radtour Engadin

14. Juni 2011     2 Kommentare

Prolog

Radtour Engadin 2011 - Karte
OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA]
Mal wieder mit dem Rad ein paar Alpenpässe bezwingen, das wär’s! Zwar ist unsere Gruppe mit Tom und seinem Vati dieses Jahr etwas kleiner als vor sieben Jahren, aber so gab’s im Vorfeld auch weniger Abstimmungsbedarf. Wir wählen aus guter Erfahrung die Jugendherberge St. Moritz als Ausgangsort für unsere Sterntouren.

Dienstag, 14.06.: Anfahrt nach St. Moritz

Radtour Engadin 2011 - Tag 1
Nach einem sehr ereignisreichen Pfingsten starten wir heute gegen 8 Uhr, nachdem alle Räder und Taschen im Auto verpackt sind. Über die A9 kommen wir bis auf einen kleinen Stau gut nach München, wo wir dem Mittleren Ring bis zur A95 nach Garmisch-Partenkirchen folgen. Ganz gemütlich geht es nun über den Fernpass, durch Imst und zur Abwechslung über die Pillerhöhe, wo wir einen tollen Blick ins Inntal genießen können. Schließlich schlängeln wir uns ab Prutz auf der Bundesstraße 180/27 am immer schmaler werdenden Inn entlang bis nach St. Moritz, wo wir gegen 18 Uhr an der Jugendherberge einchecken.

Mittwoch, 15.06.: St. Moritz – Albulapass – Alvaneu – Davos – Flüelapass – Zernez – St. Moritz [148km, 2710Hm]

Radtour Engadin 2011 - Tag 2
Bei schönstem Kaiserwetter genießen wir unser Frühstück in der Jugendherberge, packen die Verpflegung ein und starten viertel 9. Bis La Punt fahren wir uns eine halbe Stunde mit einem 30er Schnitt warm, dann geht’s gleich richtig rein in die ersten Serpentinen hinauf zum Albulapass. Nach einer guten Stunde inmitten einer wunderschönen und relativ ruhigen Bergwelt kommen wir am Hospiz auf 2312m Höhe an. Hier oben ist es trotz der Sonne deutlich frischer, für die lange Abfahrt inmitten der atemberaubenden Bergkulisse nach Alvaneu muss die Windjacke her. Hier biegen wir von der Hauptstraße in Richtung Davos ab und es geht gleich wieder steil nach oben, sodass wir auf halber Höhe einen schönen Blick haben und erst nach dem 3km langen Tunnel im Tal des Landwasser weiterfahren. Gegen 13 Uhr erreichen wir Davos und legen am Supermarkt eine Mittagspause mit Melone, Banane und Riegeln ein. Wieder gut gestärkt nehmen wir eine halbe Stunde später den Anstieg zum Flüelapass in Angriff. Zu Beginn geht es mit konstanten und gut zu fahrenden Steigungswerten um 6% durch den Wald, dieser verschwindet ab der Pischa-Talstation gänzlich. Spätestens ab der Siedlung Tschuggen befinden wir uns in einer hochalpinen Bergwelt zwischen deren Geröll-Felsbrocken sich die Straße schlängelt. Halb 4 haben wir das Hospiz auf der Passhöhe erreicht, kurze Pause zum Umschauen, Riegel einwerfen und Windjacke auspacken. Anschließend werfen wir uns in die rasante Abfahrt nach Susch, die 14km vergehen wie im Flug. Punkt 16 Uhr sind wir also wieder am Inn, nun stehen noch 40km zurück ins Oberengadin an. Leider verspüren ab Zernez meine Oberschenkel irgendwie keine Lust mehr ordentlich Kraft auf die Pedale zu bringen, selbst im Windschatten von Tom mitzufahren erweist sich als Herausforderung. Und auch der auffrischende Gegenwind ist mir keine wirkliche Hilfe, mehr als 16km/h sind auf den letzten Kilometern nicht mehr drin. Endlich erreichen wir viertel 7 nach insgesamt 10h im Sattel (mit 2h Pausen) die Jugendherberge, mittlerweile ist meine Beinmuskulatur komplett verhärtet und ich freue mich auf eine warme Dusche. Ab 19 Uhr sitzen wir beim leckeren Abendbrot und lassen den Tag Revue passieren.

Donnerstag, 16.06.: St. Moritz – Zernez – Ova Spin – Livigno – Forcola di Livigno – Berninapass – St. Moritz [109km, 1500Hm]

Radtour Engadin 2011 - Tag 3
Trotz des gestrigen Etappenausgangs hat sich mein Körper über die Nacht komplett erholt, nach dem Frühstück sitzen wir wieder viertel 9 auf dem Rad. Die ersten 35km im Inntal runter fahre ich mich ordentlich warm an der Windspitze, in Zernez biegen wir nach Südosten ins Spöl-Tal zum Ofenpass ab. Jetzt erstmal wieder in den Bergrhythmus finden, denn auf den ersten 6km bis zum Ova Spin sind knapp 400Hm zu überwinden. Leider setzt ein leichter Nieselregen ein, der mich jedoch bergauf angenehm kühlt. Die ebenso lange Abfahrt bis zum Abzweig am Munt la Schera ist schnell geschafft, für die Weiterfahrt nach Livigno müssen wir uns für 5 EUR/Person im Shuttle-Bus durch den Tunnel transportieren lassen (für Radfahrer gesperrt). Auf der anderen Seite geht es zügig durch die Galerien und entlang des Stausees bis nach Livigno, wo uns erneut einsetzender Regen im Aufstieg zum Forcola di Livigno begleitet. Dreiviertel nach 12 stehen wir auf 2315m Passhöhe, die Nässe und Kälte zwingt uns jedoch zur baldigen Abfahrt nach Süden. Und tatsächlich lässt sich die Sonne ab und zu blicken, es wird wärmer und wieder trocken als wir den Alpenhauptkamm hinter uns lassen. Nach wenigen Kilometern treffen wir auf die 29, von hier sind es noch knapp 300Hm hoch zum Berninapass, den wir halb 2 erreichen. Schließlich bringt uns die wunderschöne Abfahrt mit Sicht auf den Morteratsch-Gletscher wieder zurück zur Jugendherberge, genau 6 Stunden nach Start. Die verbleibende Zeit am Nachmittag nutzen wir für einen Bummel durch St. Moritz.

Freitag, 17.06.: Rückfahrt nach Jena

Radtour Engadin 2011 - Tag 4
Den ursprünglichen Plan zur Bezwingung des Stilfser Joch mit anschließender Heimreise verwerfen wir aufgrund schlechter Wettervorhersagen und möglicher Straßensperren durch die 7. Etappe der Tour de Suisse. Stattdessen packen wir alles zusammen, fahren am Vormittag mit dem Auto nach Ried und kehren ganz entspannt in eine Pizzeria ein. Von Prutz aus wandern wir hoch nach Ladis, treffen Didi den Tourteufel, lassen uns von der Werbekolonne der Tour de Suisse versorgen und schauen uns das Fahrerfeld im Schlußanstieg an. Der anschließende Abstieg zum Auto geht recht flott und so können wir gegen halb 6 mit vielen wunderbaren Eindrücken aus den letzten drei Tage die Rückreise nach Jena antreten.

Kommentare [2]

  1. Tom schrieb am 30. Juni 2011, 06:02 [#]

    Hallo Matthi,

    vielen Dank fuer den sehr schoenen Bericht und fuer die tollen Fotos. Die Touren haben sehr viel Spass gemacht.

    Gruss
    Tom

  2. Matthi schrieb am 2. Juli 2011, 20:04 [#]

    @Tom: gern geschehen, ich will mir ja auch gelegentlich mit dem Bericht die Erinnerungen wieder hervorholen und von der nächsten Tour träumen :D