Prolog
Aller guten Dinge sind drei nach Reinhard Mey, deswegen steht nach 2025 und 2024 zum dritten Mal für mich der Usedom-Marathon auf dem Wochenend-Plan. Zudem fehlt dieses Jahr bisher jegliche Ostsee-Berauschung aufgrund unseres Nordsee-Exkurses in den Osterferien, so geht das ja nicht. Bei der Anreise-Planung gibt’s keine Experimente, wie üblich starte ich viertel 3 am Freitag-Nachmittag ins Bahn-Abenteuer getragen vom 63EUR-Deutschlandticket. Mit dem vorletzten Umstieg in Wittenberg beginnen über vier entspannte Stunden im RE3 nach Züssow, selbst im Berliner Großraum wird es nicht wie sonst brechend voll. Planmäßig erreichen wir halb 11 Wolgast und kurz darauf wirft der Türtresor vom City Hotel meinen Zimmerschlüssel aus.
Wettkampf
[© OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA]
Punkt 6 Uhr reißt mich der Wecker aus den Träumen, fix in die Rennklamotten geschlüpft und mit dem Fahrrad zum Peene-Stadion. Dort warten im Vereinshaus die Startunterlagen für unschlagbar günstige 30 EUR, auch meine Gepäcktasche darf hier bleiben. Bis zur Abfahrt der Busse viertel 8 ist noch Zeit für einen heißen Kaffee und leckere Teilchen vom Bäcker am Edeka, anschließend schaukeln wir gemütlich über die Insel bis Swinemünde. Dort sammeln sich gut 250 Läufer am Campingplatz und das Sanitärgebäude wird gleich belagert. Das sonnige aber windig-kühle Wetter zwingt mich zum Warmlaufen, dann fällt 9 Uhr der Startschuss und los geht’s auf die 42km-Strecke. Flaches Terrain auf der Strandpromenade von Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin, perfekte Temperaturen sowie windgeschützte Küstenwälder lassen die Beine gut fliegen, sodass ich die Halbmarathon-Marke am Kölpinsee nach 1h42m in guter Verfassung passiere.
Doch kurz darauf beginnt ab Koserow die freie Fläche, den Beinen fehlt schon spürbar die Frische und nun kommt zusätzlich ein straffer Westwind als Motivations-Killer ins Spiel. Auf dem Deich bis Zempin kann ich noch ein paar Kilometer das zügige Tempo einer überholenden polnischen Staffel-Läuferin mitgehen, kurz vor Zinnowitz wechselt der Körper aber schlagartig in den Energiespar-Modus. Auf dem Radweg entlang der B111 sackt mein Pace mit jedem Schritt weiter ab in die 10km/h-Region, zwei Regenschauer nagen an den Reserven und ich bin froh als das Ortseingangs-Schild von Wolgast auftaucht. Kurz vor der Peene-Brücke stoßen die Halbmarathoni dazu, es wird durch die Stadt deutlich belebter und die letzten zwei Kilometern setzen überraschend neue Kräfte frei. Dann ist nach 3h39m31s endlich der Zielbogen erreicht, was mir den 39ten Gesamtplatz beschert.
Epilog
Die Stadion-Rasenfläche wird zunehmend von nachfolgenden Läufern bevölkert, in der wärmenden Sonne und bei einer leckeren Erbsensuppe sowie Lümo findet eine erste Regeneration statt. Gegen 14 Uhr ziehen aber schon dicke Wolken auf, ich flüchte mit dem Fahrrad vor Platzregen und Gewitter nach Zinnowitz zum Ausschwimmen in die Bernsteintherme. Zwei Stunden später lockt die Abendsonne zu einem kurzen Strandspaziergang, bevor viertel 8 der Zug nach Hause startet inklusive nächtlicher Radtour in Wittenberg zur Überbrückung der Betriebsruhe im Nahverkehr.