Radtour Jena-Gardasee

2. September 2000     0 Kommentare

Prolog

Jena-Gardasee - Karte
OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA]
Die Semesterferien des Sommersemeters 2000 standen voll im Zeichen des Radfahrens. Bereits eine Woche, nachdem wir der Radtour Schottland 2000 beendet hatten, war Start für die Tour zum Gardasee. Ursprünglich wollten Jörg und Tom mitfahren, doch Jörg musste dann kurzfristig absagen. Als Streckenführung hatte ich mir die direktesten und schnellsten Verbindungen auf einer Karte zusammengesucht, wodurch wir größtenteils auf Bundesstraßen zu radeln hatten. Die nachfolgend beschriebene Strecke kann in jeder GPX-fähigen Kartenanwendung geladen und detailliert nachvollzogen werden.

Sonnabend, 02.09.: Von Jena nach Bayreuth [150km]

Jena-Gardasee - RennsteigVollbepackt mit Zelt und Schlafsack treffe ich gegen 8 Uhr Tom in Alt-Winzerla, der Himmel sieht noch recht beständig aus aber es ist etwas kühl. Wir fahren auf der B88 Richtung Rudolstadt los, Tom macht ordentlich Balett und so wird uns schnell warm. Nach der ersten Pause in Saalfeld haben wir uns auf ein gemeinsames Tempo geeinigt und fahren abwechselnd an der Spitze den Windschatten heraus. Auf der B85 radeln wir nun in den Thüringer Wald, es beginnt zu regnen und wir stellen uns in Probstzella kurz unter. Jetzt beginnt der Aufstieg zum Rennsteig, den wir gegen Mittag erreichen. In der Bergpause gibt’s einen Riegel für neue Energie, dann strampeln wir gegen den Wind nach Kronach runter. Unterwegs kaufen wir noch für unser Abendbrot ein. Kurz vor Kulmbach suchen Tom und ich nochmal Schutz vor einem Platzregen, die letzten Kilometer nach Bayreuth geht es eher schleichend voran und so sind wir froh, etwas geschafft kurz nach 17 Uhr in der Jugendherberge anzukommen. Für 26 DM (13 €) pro Person bekommen wir ein Bett und Frühstück, doch nun stärken wir uns erstmal mit 500g Nudeln und Tomatensauce in der Selbstkocherküche.

Sonntag, 03.09.: Von Bayreuth nach Regensburg [155km]

Jena-Gardasee - PannePünktlich halb 8 zur Öffnung des Frühstücksraums stehen wir bereit, auch heute steht uns eine ähnlich lange Etappe wie gestern bevor. Bei Müsli, Brötchen und Tee greifen wir kräftig zu. Nach Bett abziehen und zusammenpacken können wir 9 Uhr starten. Die ersten Kilometer werden die Beine warm gefahren, dann geht es über Pegnitz weiter auf der B85 mit ständigem bergauf und bergab. Zum Glück ist nicht viel los und so kommen wir ziemlich ungestört vorwärts, auch wenn uns der Regen etwas ärgern will. Zum Mittag halten wir in Amberg an einer Tankstelle, jetzt kommt sogar etwas blauer Himmel hervor und immer öfter auch die Sonne. Nach einer weiteren Stunden kommen wir an Schwandorf vorbei und fahren nun auf der B15 weiter, jedoch nicht lange, dann hat sich aus meinem Vorderrad die Luft verabschiedet. Der Schlauch wird geflickt, im Mantel ist aber ein großer Riss durch den sich der Schlauch immer wieder durchpresst. Ein paar Schichten Plastetüten sind die Rettung, wir fahren etwas vorsichtiger und erreichen gegen 17 Uhr die Jugendherberge in Regensburg. Ein Luxuszimmer mit Dusche und WC wird uns zu einem Preis von 28 DM (14 €) für die Nacht bereitgestellt, wir nehmen an und duschen erstmal ausgiebig.

Montag, 04.09.: Von Regensburg nach Rosenheim [165km]

Jena-Gardasee - LandshutUm 7 Uhr öffnet bereits der Frühstücksraum, wir sind ein paar Minuten später da und freuen uns über ein sehr reichliches Angebot, welches schon eher auf dem Niveau eines Hotels ist. Draußen ist es grau in grau und so macht Regensburg seinem Namen auch alle Ehre als wir gegen halb 9 die Jugendherberge verlassen. Bevor wir richtig losfahren, kaufe ich mir noch einen neuen Schlauch und Mantel, den ich auch gleich einbaue. Nach der Reparatur können wir starten, mittlerweile ist es 10 Uhr und es hat aufgehört zu regnen. Auf der B15 radeln wir weiter nach Süden, anfangs geht es noch recht flach dahin, später sind ein paar Erhebungen zu überwinden. Doch durch unser Windschattensystem kommen wir mit durchschnittlich 24 km/h gut voran und sind am frühen Nachmittag in Landshut. Als wir das Tal der Isar verlassen, kämpft sich die Sonne am Himmel durch und wärmt uns zusätzlich. Die Bundesstraße führt weiterhin durch eine hügelige Landschaft, es fährt sich dennoch sehr entspannt. In Taufkirchen essen wir einen Kuchen und biegen anschließend auf den ausgeschilderten Radweg nach Dorfen ab, der uns auf einer ehemaligen Bahnlinie ohne große Steigungen und Verkehrslärm schnell voranbringt. In Haag kreuzen wir eine andere Bundesstraße und erreichen den dritthöchsten Punkt auf der gesamten Radtour. Über Wasserburg radeln wir mit kleinen Regenschauern nach Rosenheim, wo wir gegen 19 Uhr bei meiner Oma vor der Tür stehen und eine Übernachtungsmöglichkeit bekommen. Zum Abendbrot können wir bei Rouladen, Kartoffeln und Rotkraut ordentlich zuschlagen. Heute haben wir von der Gesamtstrecke die Hälfte geschafft, morgen geht’s in die Alpen!

Dienstag, 05.09.: Von Rosenheim nach Innsbruck [133km]

Heute liegt eine ruhige Etappe im Inntal vor uns und so stehen wir erst 8 Uhr zum Frühstück auf. Anschließend wieder alles verpacken, wir verabschieden uns und fahren halb 10 los. Zuerst wursteln wir uns durch Rosenheim auf der Suche nach dem Inntal-Radweg. Über uns formieren sich schon wieder dunkle Regenwolken, aber wir lassen uns nicht abschrecken, auch wenn etwas Sonne nicht schaden würde. Die Alpen steigen schlagartig mehrere hundert Meter empor, das ist sehr beeindruckend. Bei Neubeuern finden wir den Radweg, der allerdings vorerst nur geschottert ist und auf einem Staudamm verläuft. Hier kommt man nicht gut voran und wir kehren auf die Landstraße zurück. Mittags sind wir in Kiefersfelden, legen eine Pause ein und kaufen ein paar Kleinigkeiten. Jena-Gardasee - KufsteinDer Regen mittlerweile aufgehört und wir haben einen asphaltierten Radweg gefunden, Windschatten fahren macht hinter Tom trotzdem keinen Spaß, weil er keine Schutzbleche hat. Dafür kommen wir ungestört voran, kein Verkehrslärm und immer schön flach. So schmelzen die Kilometer bis Innsbruck dahin, der Weg trocknet langsam ab und es bleibt auch mal ein Blick für die Umgebung übrig. Halb 5 erreichen wir die Außenbezirke von Innsbruck, schlagen uns zum Hauptbahnhof durch und suchen von dort aus die Jugendherberge. Hier kostet uns die Übernachtung pro Person 155 ÖS (11 €), das günstigste was uns bisher untergekommen ist. Wir beziehen das recht kleine Zimmer, die Dusche verläßt auch nur ein dünner Strahl. Anschließend gehen wir noch Stück durch das umgebende Wohnviertel spazieren und kaufen uns im Supermarkt etwas zum Abendbrot – Kuchen mit Joghurt.

Mittwoch, 06.09.: Von Innsbruck nach Bozen [144km]

Jena-Gardasee - InnsbruckHeute steht uns also die erste Alpenüberquerung bevor, wenn auch der Brennerpass einer der leichtesten Übergänge darstellt. Frühstück gibt es schon ab 7 Uhr, aber auch hier zeigen sich Gründe für den günstigen Übernachtungspreis: zwei Brötchen, ein Stück Schmierkäse, ein Stück Leberwurst und Marmelade, dazu eine Tasse Tee, Kaffee oder Schokolade. Das aber nicht lange vorhalten, zum Glück haben wir ja noch ein paar Riegel. Eine Stunde später haben wir gepackt uns sind starklar in einen wunderbar frischen Morgen mit viel Sonne vom strahlend blauen Himmel. Auf dem Weg zur Brenner-Bundesstraße halten wir an einer Tankstelle und schmieren die Ketten mit den Resten aus Ölflaschen, da die letzten Regentage jeden Öltropfen weggespült haben. Dann geht es steil los, eine große Serpentine bringt uns schnell höher und wir haben einen tollen Blick über Innsbruck. Es folgen ein paar flache Kilometer, bevor sich die Straße kurvenreich und steil zum Abzweig des Stubaitals hochschlängelt. Zur Erholung geht es dann relativ flach und teilweise bergab immer weiter in das Wipptal hinein, mit unserem Windschattensystem kommen wir gut voran. Nach einer kurzen Pause in Matrei fahren wir bis zur Passhöhe durch, die wir kurz vor 11 Uhr erreichen. Jena-Gardasee - BrennerAuf den letzten 5 Kilometern wurde es nochmal richtig steil, deshalb gönnen wir uns erstmal eine schöne Pause nach 40 Kilometern, 700 Höhenmetern und dem Gefühl, mit dem Fahrrad mitten in den Alpen zu sein. Hier oben ist es wunderbar warm, wir könnten ewig sitzen bleiben. Kurz vor halb 12 raffen wir uns auf und stürzen uns in die Abfahrt das Eisacktal runter. Die Kilometer fliegen nur so dahin, wir kommen an Sterzing vorbei und nach einer Stunde in Franzensfeste. Hier halten wir an und essen zum Mittag eine leckere Pizza umgeben von einem wunderbaren Panorama, jetzt fängt der Urlaub an! Auf der SS12 fahren wir anschließend weiter nach Bozen, durch Tunnel und über Brücken und integriert in die italienische Fahrweise, da hinterlassen vorallem die Überholmanöver der LKWs ein komisches Gefühl. Genau 16 Uhr rollen wir in Bozen ein und wir suchen uns den Weg zum Campingplatz Moosbauer. Nach der Anmeldung bauen wir das Zelt auf und radeln nochmal in die Stadt, um für Abendbrot und Frühstück einzukaufen. Auf dem Rückweg finden wir als Nachtisch ein paar Äpfel und Weintrauben direkt am Weg.

Donnerstag, 07.09.: Von Bozen nach Gardasee/Torbole [123km]

Jena-Gardasee - TorboleSchön ausgeschlafen werden wir erst halb 9 wach, aber heute drängt uns mal nichts und die Strecke zum Gardasee ist nicht mehr allzu lang. Nach dem Frühstück mit Toastbrot packen wir, bauen das Zelt ab und bezahlen zusammen 23.000 LIT (12,50 €). Irgendwie finden wir zurück auf die SS12 und setzen die Fahrt Richung Süden fort. Nach eineinhalb Stunden legen wir ein bei Neumarkt eine Pause ein und entdecken dabei zufällig den Etsch-Radweg. Dieser führt asphaltiert auf dem Damm entlang, hier fährt es sich wunderbar zumal wir Rückenwind bekommen. Außerdem kommt man durch Weinanbaugebiete, die leckeren Trauben laden zum Naschen ein. Einige Kilometer vor Trento treffen wir auf ein Radler-Paar, daß wir gestern bereits getroffen haben. Wir fahren gemeinsam weiter und unterhalten uns ein wenig. Doch unsere Wege trennen sich bald wieder, wir kommen nach weiteren 20 Kilometern in Rovereto an und ich schaue kurz am Bahnhof nach einer Zugverbindung für unsere Rückfahrt. Bevor wir das letzte Stück zum Gardasee antreten, füllen wir unsere Trinkflaschen nach, in der Hitze geht einiges Weg. Vom Etschtal geht es in einem Nebental zum Passo S. Giovanni hinauf, dann haben wir es fast geschafft und rollen nur noch die Serpentinen zum Gardasee runter, genießen den Ausblick und das Glücksgefühl. Die insgesamt 870 Kilometer liegen nach 6 Tagen bzw. 38 Stunden reiner Fahrzeit hinter uns! In Torbole finden wir einen Zeltplatz, bauen auf und entspannen uns in der Sonne. Nach einer Dusche gibt es zum Abendbrot eine Pizza in einem gemütlichen Restaurant.

Freitag, 08.09.: Ruhetag am Gardasee [16km]

Jena-Gardasee - ZeltenDa nun unser Ziel erreicht ist, legen wir heute einen Ruhetag ein. Schön gemütlich frühstücken wir gegen mit Sonne vor dem Zelt. Auf dem Weg zum Einkaufen hole ich gleich ein paar Postkarten und fahre mal kurz bis zum Westufer rüber. Halb 11 bin ich zurück, Tom relaxt in der Sonne und ich geselle mich zu ihm. Den Nachmittag verbringe ich mit lesen und in der Sonne liegen, ab und zu essen wir einen Joghurt oder Obst. Außerdem warten noch die Postkarten darauf beschrieben zu werden. Gegen 19 Uhr melden sich unsere Mägen und wir suchen eine Pizzeria auf, jeder bestellt sich eine und anschließend vertilgen wir noch eine zusammen. Wir beschließen, morgen wieder den Weg nach Hause anzutreten, da wir sonst erst in einer Woche wieder günstig mit dem Wochenendticket fahren könnten. Den Abend verbringen wir am Strand und genießen die lauwarme Nachtluft, während ein paar Meter neben uns Vorbereitungen für eine Stranddisco laufen.

Sonnabend, 09.09.: Von Torbole nach Innsbruck [61km]

Jena-Gardasee - WipptalTrotz eines nächtlichen Ausflug zur Stranddisco bin ich bereits 6 Uhr wach, drehe mich aber nochmal rum und schlafe weiter. Zwei Stunden später stehe ich auf und gehe duschen, als ich zurückkomme ist Tom auch wach. Wir frühstücken und bauen anschließend das Zelt ab. Bevor wir fahren sind noch 19.000 LIT (9,50 €) pro Nacht und Person zu bezahlen. Dann treten wir wieder vollbepackt in die Pedale, erstmal müssen wir zurück ins Etschtal. Unterwegs verführen leckere Weintrauben zu häufigen Pause. Dreiviertel 11 kommen wir in Rovereto am Bahnhof an. Nach Hause kommen wir an einem Tag sowieso nicht, deswegen haben wir uns entschlossen in Innsbruck nochmal zu übernachten. Für insgesamt 43.000 LIT (21,50 €) steigen wir mit anderen Radlern halb 1 in den nächsten Zug hoch zum Brenner. Dabei lernen wir einen Mountainbiker kennen, der alleine eine echte Transalp von Mittenwald aus gefahren ist. Oben auf dem Pass angekommen verprassen wir die letzten Lira beim Mittagessen, dann heizen wir zu dritt im Windschattenverbund nach Innsbruck runter, die anfänglichen 10% Gefälle erzeugen eine maximale Geschwindigkeit von 78 km/h. Nach nur einer Stunde sind die 40 Kilometer bis Innsbruck runter geschafft, am Bahnhof suchen wir uns eine Verbindung raus und checken wieder in der Jugendherberge ein.

Sonntag, 10.09.: Von Innsbruck nach Jena

Kurz nach 7 Uhr werden wir wach und stehen auf. Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen und radeln zum Bahnhof. Punkt 8 Uhr fährt unser Zug Richung München los, bis Mittenwald haben wir Tickets und im Zug kaufen wir uns für die Fahrt in Deutschland ein Wochenendticket für 35 DM (17,50 €) sowie eine Fahrradkarte. In München steigen wir um und fahren mit Regionalbahnen weiter über Regensburg, Nürnberg und Lichtenfels, sodaß wir 19 Uhr in Jena ankommen.

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